FAQ

Häufige Fragen und Antworten zum Schweizer Wald


Wem gehört eigentlich der Wald?

Jeder Wald hat einen Eigentümer: Über ein Viertel (29%) der Schweizer Waldfläche befindet sich im Besitz von rund 250000 Privatpersonen; 35% der Wälder gehören Bürgergemeinden und Korporationen; 31% der Fläche sind im Besitz von politischen Gemeinden, 5% gehören Bund und Kantonen. Der Anteil privat finanzierter Waldflächen (ohne Steuergelder) variiert von Kanton zu Kanton stark (z. B. Bern 85%). Mit dem Waldeigentum sind klar definierte Rechte (z. B. Nutzung) und Pflichten (z. B. Zugänglichkeit) verbunden.


Der Wald wächst auch ohne Förster; weshalb braucht es Forstleute?

Der Wald braucht uns Menschen nicht, aber wir brauchen den Wald. Er soll unsere Infrastrukturen schützen, sauberes Wasser liefern, das Klima schützen, der Erholung dienen und Holz produzieren. Damit er all diese Funktionen jederzeit und überall erfüllt, kann man ihn nicht einfach sich selbst überlassen. Es braucht Fachleute, die alle Zusammenhänge kennen und den Wald gezielt pflegen, damit er jederzeit gesund, stabil und sicher begehbar bleibt. Die Schweizer Forstleute zählen weltweit zu den am besten ausgebildeten Berufsleuten. Sie machen einen hervorragenden Job für uns alle.


Warum wird der Wald bewirtschaftet?

Einerseits, weil dies die Eigentümer wollen. Sie sehen den Wald ihrer Vorfahren als kulturelles Erbe, das man nutzen darf, aber in gutem Zustand an die nächste Generation weitergeben soll. Andererseits erfordern aber auch die gesellschaftlichen Ansprüche an den Wald eine Bewirtschaftung: Wir wollen nachwachsendes Holz nutzen, wir wollen uns möglichst gefahrlos im Wald aufhalten und erholen können und wir sind auf die Schutzfunktion der Wälder angewiesen. So wie wir den Wald wollen, braucht es den pflegenden Eingriff des Menschen. Waldpflege aber ist immer Holzernte, denn kranke oder schwache Bäume müssen weichen, um jüngeren Bäumchen Platz zu machen und starke, gut gewachsene Bäume werden geerntet, bevor sie altersschwach werden, umfallen und verfaulen.


Wird der Schweizer Wald nicht übernutzt?

Nein! Im Schweizer Wald wird seit Jahren weniger Holz geschlagen, als nachwächst. Die Schweiz verfügt im internationalen Vergleich über eine der strengsten Gesetzgebungen: Die Waldfläche ist geschützt, es darf nicht mehr Holz geerntet werden, als nachwächst, jeder Holzschlag ist prinzipiell bewilligungspflichtig und grossflächige Eingriffe sind verboten. Die Bewirtschaftung erfolgt seit Jahrzehnten so naturnah, dass unsere Wälder heute auf einem Drittel der Landesfläche über 40% der heimischen Tier- und Pflanzenarten beherbergen!


Lebt die Waldwirtschaft von Subventionen?

Nein! Der Bund leistet für den Wald jährliche Beiträge in der Grössenordnung von rund 140 Millionen Franken; das ist gemessen an der Fläche und im Vergleich zu anderen Bereichen sehr wenig (Landwirtschaft 4 Milliarden). Über 75% der öffentlichen Gelder fliessen in die Schutzwaldpflege. Anders als in der Landwirtschaft, gibt es in der Waldwirtschaft praktisch keine pauschalen Flächenbeiträge. Lange Zeit konnten die Kosten für die Waldpflege und Holzernte aus dem Holzerlös gedeckt werden. Obwohl die Forstbetriebe heute vielseitige zusätzliche Dienstleistungen erbringen und trotz Restrukturierungen, nimmt die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der Waldwirtschaft wegen der tiefen Holzpreise und aufgrund wachsender Auflagen und Herausforderungen ab: Viele Betriebe schreiben deshalb rote Zahlen.


Wieso soll man Schweizer Holz verwenden? Schadet das nicht dem Wald? 

Im Gegenteil! Schweizer Holz ist die beste Wahl, denn es wird besonders naturnah produziert, und es wird nie mehr Holz geschlagen als nachwächst. Dank der Holzernte wird der Wald verjüngt und gesund erhalten. Damit die Waldeigentümer den Wald pflegen können, sind sie auf die Einnahmen aus dem Holzverkauf angewiesen. Wir decken heute rund die Hälfte des Holzverbrauchs mit Importen ausländischen Holzes, während bei uns die Holzreserven zunehmen und die Wälder mancherorts überaltern. Zudem ist es ökologisch sinnvoll, wenn das Holz nicht um die halbe Welt transportiert werden muss. Wer weiter denkt, kauft näher ein!


Wieso werden im Wald so viele Äste liegen gelassen? Ist das nicht Unordnung? 

Nein, das ist in Ordnung! Ein Teil des Holzes wird bewusst im Wald belassen, damit es dort vermodern kann und die Nährstoffe im Kreislauf bleiben. Manchmal werden die Äste in den Rückegassen ausgelegt, um den Boden vor der Verdichtung durch die schweren Maschinen zu schützen. Andernorts werden Asthaufen aufgeschichtet, damit allerlei Tiere Unterschlupf finden. Das flächige «Aufräumen» nach Holzschlägen käme schliesslich auch schlicht zu teuer, der Aufwand könnte nicht durch die Einnahmen aus dem Holzverkauf gedeckt werden.


Darf man ohne schlechtes Gewissen Schweizer Weihnachtsbäume kaufen?

Auf jeden Fall! Schweizer Weihnachtsbäume stammen zum grossen Teil aus eigens angelegten Baumkulturen im Landwirtschaftsgebiet. Bloss ein Viertel stammt aus dem Wald. Es sind Bäume, die im Rahmen der Waldpflege ohnehin anderen Bäumen Platz machen müssten. Andere Christbäume werden unter Leitungen im Wald herangezogen, wo sie alle paar Jahre geschlagen werden müssen. Einheimische Weihnachtsbäume werden erst kurz vor Weihnachten frisch geerntet und müssen nicht über Hunderte Kilometer herangekarrt werden. Der Christbaumverkauf bedeutet für viele Forstbetriebe ein willkommener Nebenverdienst und eine schöne Gelegenheit, der Bevölkerung eine Freude zu bereiten.


Wieso fahren die Forstleute mit so riesigen Maschinen in den Wald; das macht doch alles kaputt?

Der Schein trügt: Mit den modernen Maschinen kann sehr sorgfältig und präzise gearbeitet werden. Wenn sie sachgemäss und bei geeigneten Witterungsverhältnissen eingesetzt werden, wird auch der Waldboden nicht übermässig belastet oder verunstaltet. Die Mechanisierung ermöglicht schnelleres und effizienteres Arbeiten. Und sie erhöht die Arbeitssicherheit enorm, denn die Maschinenführer sitzen sicher in ihrer Kabine und haben den besseren Überblick. Wir unterscheiden Holzerntemaschinen (Vollernter), die Bäume fällen, entasten und in Stücke sägen können, und geländegängige Rückezüge (Forwarder), die mit ihren breiten Niederdruckreifen den Waldboden schonend befahren und mit ihrem Ladekran Baumstämme aufladen und an die Waldstrasse transportieren. Ferner gibt es verschiedene Seilkräne, die das Holz wirtschaftlich und pfleglich vom Fällort zu den Transportwegen bringen.


Darf ich den Wald überall frei betreten?

Im Prinzip ja! Gemäss Gesetz ist der Schweizer Wald im Grundsatz für alle frei zugänglich (Art. 699 ZGB und Art. 14 Waldgesetz). Dieses Recht gilt allerdings nicht uneingeschränkt: Das Zutrittsrecht und auch das Sammeln von Beeren und Pilzen darf vom Publikum im «ortsüblichen» Rahmen ausgeübt werden, und nur soweit keine namhaften Schäden am Wald verursacht werden. Der Motorfahrzeugverkehr ist im Wald und auf Waldstrassen (mit wenigen Ausnahmeregelungen) verboten. Weiter sind die Kantone verpflichtet, die Zugänglichkeit so zu regeln, dass der Wald und seine wichtigen Funktionen erhalten bleiben. Einschränkungen gelten zum Beispiel für Waldreservate und Wildruhezonen. In den meisten Kantonen bestehen spezifische Beschränkungen für Freizeitbetätigungen wie Biken und Reiten.