Dürre Bäume prägen den Wald

Medienbegehung vom 30. Juli 2019 in Brunnadern

Wetterextreme setzen dem Wald zu. Die Folgen der Trockenheit und Hitze werden nun vielerorts sichtbar. Die ansonsten in dieser Jahreszeit schönen, grünen Wälder verwandeln sich in ein Mosaik von grün, braun bis rot.

Brunnadern. – Dürre Bäume ragen aus dem Kronendach des Schutzwaldes an der Wasserfluhstrasse in Brunnadern. Den Nadelbäumen fehlt Wasser. Sie geraten in Trockenstress. Gleichzeitig begünstigt das warme Klima die Entwicklung der Borkenkäfer, die kränkelnde Bäume als Brutraum nutzen. Der weniger bekannte Krummzähnige Weisstannen-Borkenkäfer, welcher sonst nicht in Massen auftritt, vermehrt sich an den geschwächten Bäumen. Die Schäden häufen sich rasch. Unwetter und Stürme setzen dem Wald zusätzlich zu. „Dieser Schutzwald wurde vor vier Jahren gepflegt. Teilweise wurde das Holz im Bestand belassen, um den Steinschlag zu reduzieren“, erklärt Nikolaus Fankhauser, Förster der Waldregion Toggenburg. Momentan wird die Situation beobachtet. Die abgestorbenen Weisstannen müssen hier aus Sicherheitsgründen gefällt werden. Falls der Borkenkäfer-Befall weiter zunimmt, werden weitere Massnahmen notwendig sein.

 

Kosten statt Ertrag

Die Situation in vielen Wäldern ist angespannt. Knapp ein Drittel der Fläche des Kantons St.Gallen ist mit Wald bestockt. Davon sind über die Hälfte Schutzwälder. Diese schützen Menschen, Tiere, Güter und Infrastrukturen vor Lawinen, Steinschlag, Hangrutsch und Erosion. Eine wichtige Funktion. Deshalb gibt es für die Pflege dieser Wälder öffentliche Gelder. „Mit den finanziellen Mitteln geht der Forstdienst sehr haushälterisch um. Es wird nur gemacht, was dringend notwendig ist“, erklärt Heinz Engler, Geschäftsführer von Wald St.Gallen und Liechtenstein. Die Beiträge sind notwendig, um die Erntekosten zu decken. Denn der Holzpreis ist so tief wie in den letzten 20 Jahren nicht mehr. Europaweit herrscht wegen den Waldschäden ein Überangebot an Rundholz. Finanziell noch dramatischer ist es für die 38'000 Hektaren Wald, die nicht als Schutzwald dienen. Dort gibt es für die Pflege keine Beiträge. Die Kosten müssen die Waldbesitzer selber tragen. Der Kanton St.Gallen hat über 16'000 Privatwaldbesitzer. Diese haben mehrheitlich keine eigenen Maschinen, um die Holzernte auszuführen und müssen die Aufträge an Unternehmungen übergeben. Eine kostspielige Angelegenheit. Die Folge: Wenn das Holz nicht verkauft werden kann oder der Holzertrag zu gering ist, bleibt es wo immer möglich stehen. Für Förster und Waldbesitzer eine befremdende Vorstellung. Schliesslich sollte die Pflege des Waldes und insbesondere des Schutzwaldes nicht vernachlässigt werden.

 

Politik ist gefordert

Der Wald braucht jetzt rasch Hilfe. Die Politik hat die dramatische Situation erkannt. „Es gibt viele gute Ideen und Ansätze. In der Umsetzung mahlen die Mühlen aber viel zu langsam“, sagt Thomas Ammann, Präsident von Wald St.Gallen und Liechtenstein. Als Nationalrat kennt er die politischen Prozesse und warnt: „Wir müssen jetzt reagieren und den notwendigen Waldumbau in die richtige Richtung lenken. Ansonsten steigen die Folgekosten immens.“ Durch das veränderte Klima müssen die Baumarten angepasst werden. Der Wald wird künftig anders aussehen als die letzten hundert Jahre. Die Forstbetriebe werden sich umstellen und vermehrt auf klimaresistentere Baumarten und Mischwälder mit einer breiten Artenvielfalt setzen müssen. Der Spagat zwischen einer rentablen Holzwirtschaft und allen anderen Funktionen wird sich weiter zuspitzen. Denn der Wald ist nicht nur Rohstofflieferant, sondern auch Lebensraum für diverse Tiere und Pflanzen, Klimaregler, Naherholungsraum, Lebensmittellieferant, Schutz vor Naturgefahren, Wasserspeicher und dient der CO2-Senkung. Hilfreich wäre, wenn der Holzpreis steigen würde und all die Unterhaltskosten über diesen finanziert werden könnten. Davon ist man in der Schweiz weit entfernt. Dies, obwohl die Nachfrage nach dem Rohstoff Holz noch nie so hoch war wie heute. Der Bedarf an Schnittholz beträgt acht Millionen Kubikmeter. Aber nur gerade zwei Millionen Kubikmeter des verarbeiteten Holzes stammen aus der Schweiz. Der Rest kommt aus dem Ausland. Obwohl hier genügend Holz nachwachsen würde. Denn es besteht ein weiteres Problem: „Um unser Schweizer Holz verarbeiten und nutzen zu können, benötigen wir dringend mehr Säge- und Heizwerke“, sagt Heinz Engler.

 

Taten statt Worte

Damit die nachhaltige und langfristige Erhaltung des lebenswichtigen Waldes gewährleistet bleibt, ist eine gezielte Abgeltung aufwändiger Waldleistungen notwendig. Mit Interesse schauen die Waldeigentümer und wir von Wald SG&FL auf die baldige Umsetzung der vom Kantonsrat St. Gallen beschlossenen Motion «Massnahmen zur zielgerichteten und nachhaltigen Entwicklung des St.Galler Waldes» vom Juni entgegen. Damit wurde unter anderem beschlossen, dass Projekte und Eingriffe zur Entwicklung stabiler, gestufter und dem Klima angepassten artenreichen Wäldern gefördert werden. Taten statt Worte könnten auch bei den aktuellen Klimadiskussionen folgen, wenn die Gemeinden und der Kanton Holzenergie-Heizungen oder -Wärmeverbunde realisieren. „Konkret zur Käferbekämpfung ausserhalb des Schutzwaldes werde ich den politischen Vorstoss unterstützen, dass eine finanzielle Unterstützung als Forstschutzmassnahme unbürokratisch und rasch gemacht werden kann“, gibt sich Nationalrat Thomas Ammann entschlossen. Einen positiven Trend für den Schweizer Wald ist auch bei der erneuten Debatte vom CO2-Gesetz zu erwarten. Nicht nur Energie aus Holz und Holzprodukte werden Thema bei den Beratungen sein, sondern endlich auch die CO2-Speicherung, die dem Waldeigentümer und nicht dem Bund gehört. Auch damit könnte zugunsten von uns allen ein aktiver Klimaschutz betrieben werden, der den Waldeigentümern finanziell eine Verbesserung bringt.