Trotz steigenden Holzpreisen: Waldbesitzer gehen leer aus

Die Nachfrage nach Schweizer Holz ist aktuell riesig. Einige Händler berichten von Lieferengpässen. Einer der Gründe sind neu erschlossene Märkte wie Amerika und China. Die St.Galler und Liechtensteiner Waldbesitzer profitieren von den hohen Schnittholzpreisen hingegen noch nicht. Im Gegenteil: Der Rundholzpreis ist in den letzten fünf Jahren um fast 40 Prozent eingebrochen.

Die Meldungen über die steigenden Holzpreise müsste die Waldbesitzer erfreuen. Betonung auf müsste. Denn aktuell profitiert hauptsächlich die Sägereien und der Grosshandel von den steil steigenden Preisen. Der markante Preisanstieg ist bei den Waldbesitzern noch nicht angekommen. Der Preis für Frischholz ist immer noch historisch tief. «In den letzten fünf Jahren ist der Rundholzpreis um fast 40 Prozent eingebrochen», erklärt Heinz Engler, Geschäftsführer des Verbands der Waldeigentümer Wald St.Gallen und Liechtenstein. Grund des Preissturzes waren 2015 die Aufhebung des Mindestkurses des Schweizer Franken gegenüber dem Euro sowie ein Überangebot an Holz. Wegen dem Trockensommer 2018 verdorrten viele Bäume und starben ab. Hinzu kam das Sturmholz im Winter 2018 und 2019. Das Holz musste zwangsweise geerntet und zu Tiefstpreisen der Verarbeitung zugeführt werden. Mit den tiefen Rundholzpreisen konnten die international tätigen Sägewerke über Jahre hin neue Märkte erschliessen. Der Export in die USA und nach Asien funktioniert. Was fehlt sind jetzt die Nachlieferungen von Rundholz an die Sägereien. Denn die Holzernte ist auf Grund des tiefen Preises für die Waldbesitzer noch immer nicht attraktiv.

Harte Verhandlungen sind notwendig

Um die Holzerntekosten und die Kosten für die Waldleistungen decken zu können, müssen die Rundholzpreise wieder markant steigen. «Im Jahr 2014 bekam ein Waldbesitzer für einen Festmeter Fichtenrundholz in der Qualität B 110 Franken. Heute löst er gerade mal 85 Franken», erklärt Heinz Engler. Bei den geringeren Qualitäten C und D sind die Einbrüche noch massiver. Im Durchschnitt betragen sie 40 Prozent. Bis der Stand von 2014 wieder erreicht ist, braucht es harte Verhandlungen. «Steigt der Holzerlös für die Waldbesitzer nicht, wird es bei der Knappheit bleiben», prognostiziert Heinz Engler. Ausser, wenn grossflächige Umweltereignisse den Markt wieder mit Frischholz überschwemmen.

Holz wäre genügend vorhanden

An Holz würde es generell nicht mangeln. «Im Schweizer Wald wachsen jährlich rund sieben Millionen Festmeter Holz nach. Damit der Wald nachhaltig gepflegt werden kann, müsste generell mehr Rundholz verarbeitet werden», erklärt Heinz Engler. Da die Holzernte für die Waldbesitzer aktuell nicht kostendeckend ist, wird lediglich jenes Holz den Sägereien und dem Holzmarkt zugeführt, welches wegen den äusseren Einflüssen zwingend verarbeitet werden muss. Folglich gleichen sich Angebot und Nachfrage in der Schweiz langsam wieder an. Ein guter Zeitpunkt für die Waldbesitzer die Rundholzpreise wieder neu zu verhandeln und anzuheben. Zumal das Bewusstsein für den ökologischen und nachhaltigen Baustoff aus der Region bei den Konsumentinnen und Konsumenten in den letzten Jahren stark gestiegen ist. Schliesslich sollen auch die Waldbesitzer von der Trendwende profitieren.