Holzmarkt: Der Wald braucht endlich wieder faire und marktgerechte Preise!

Die Preise für Holzprodukte sind seit Ende 2020 deutlich angestiegen. Dagegen sind die Preise für Rundholz aus dem Schweizer Wald weiterhin unverhältnismässig tief und meist nicht kostendeckend. Die im Verband WaldSchweiz organisierten Waldeigentümer erwarten daher ab sofort dem Markt angepasste Preise.

Entwicklung der Holzerlöse (grün) und der Holzerntekosten (rot) in der Schweiz 2008-2019; BFS - Forstwirtschaftliches Testbetriebsnetz

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Seit Jahren ist die Entwicklung des Preises für Rundholz im Wald rückläufig und nicht mehr kostendeckend. Der sinkende Ertrag führt zu einer Unternutzung des nachhaltigen Holznutzungspotentials (gemäss Waldpolitik des Bundes). Dem stehen eine hohe Nachfrage und ein entsprechender markanter Preisanstieg für Holzprodukte gegenüber. Grund dafür sind die steigende Beliebtheit des Bauträgers Holz, aber auch steigende Exporte aus europäischen Ländern in die USA und nach China. Die gestiegenen Marktpreise schlagen sich im Schweizer Wald aber noch nicht nieder!

Starker Anstieg bei den Rundholzpreisen erwartet

Deswegen sagt Ständerat Daniel Fässler, Präsident von WaldSchweiz: „Der Wald hat das nötige Potential für die zusätzliche nachgefragte Menge. Die Waldeigentümer sind im Sinne der Stärkung der Wertschöpfungskette bereit, diese Mengen bereitzustellen. Aber nicht bedingungslos.“ Denn: „Grundsätzlich entscheidet jeder Waldbesitzer selbst, ob er Holz ernten will, oder eben nicht. Dies ist nicht zuletzt eine Preisfrage.“ Um in der kommenden Holzschlagsaison Holz zu ernten, braucht es jetzt von den Abnehmern klare Signale sowohl bei der Menge als auch mit einer Bereitschaft zu höheren Preisen. Dazu sind frühzeitige und verbindliche Bestellungen nötig. In der aktuellen Situation wie bisher auf unverhältnismässige Preisnachlässe beim im Sommer geschlagenen Käferholz zu zählen und auf diese Weise die Holzvorräte wieder zu füllen, ist nicht mehr angebracht. Denn Käferholz kann als wertiges Konstruktionsholz eingesetzt werden. Mit anderen Worten: Die Preise für Rundholz müssen bei wirtschaftlicher Betrachtung des Holzschlags in der Schweiz über den Durchschnittspreis aller Sortimente gesehen um mindestens einen Drittel steigen. Insbesondere bei den mittleren und minderen Sortimenten (C-Qualität) sowie bei frühzeitig geerntetem Schadholz braucht es eine überdurchschnittliche Steigerung.

Die gesamte Wertschöpfungskette berücksichtigen

Faire und marktgerechte Preise sind auch im Interesse der verarbeitenden Holzindustrie der Schweiz, nicht nur jetzt wegen der steigenden Nachfrage, sondern auch in Zukunft. Denn nur so kann die nachhaltige Bewirtschaftung des Schweizer Waldes und damit das erste Glied der Wertschöpfungskette Holz sichergestellt werden. Dies gilt auch für die nachfolgenden Glieder der Holzkette, insbesondere für den Holzbau. Denn die aktuelle Situation zeigt eines: Statt wie bis anhin die Produktion auf bedeutende Importmengen von günstigerem Holz aus Kahlschlägen von Monokulturen zu setzen, täte die verarbeitende Holzkette mittel- und langfristig gut daran, vermehrt Schweizer Holz einzusetzen und nachzufragen.

Waldeigentümer müssen Verhandlungsgeschick beweisen

Thomas Troger-Bumann, Direktor von WaldSchweiz, appelliert deshalb an das Verhandlungsgeschick der Waldeigentümerinnen und Waldeigentümer: „Warum sollten Waldeigentümer ihr Holz weiterhin verkaufen, wenn sie dafür nicht faire und marktgerechte Preise erhalten? Seit dem Sturm Lothar, der die Holzpreise nachhaltig geschwächt hat und zu chronischen Unterdeckungen bei den Forstbetrieben führte, haben die Waldeigentümer über Jahre sehr viel Verständnis für die Abnehmer gezeigt. Jetzt fordern die Waldeigentümer dieses Verständnis in den Preisverhandlungen ebenfalls von den Abnehmern ein. Zu diesem Zweck müssen die Waldeigentümer jetzt zusammenstehen und einen marktgerechten Preis fordern. Nur so lassen sich Holzschläge letztendlich betriebswirtschaftlich begründen.“

Kontakt

Florian Landolt | Leiter Kommunikation & Politik |  Waldschweiz

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