In Wäldern nicht aufräumen

Nach Waldbränden, Windwurf oder anderen Störungen solle in den betroffenen Wäldern nicht aufgeräumt werden. Dies schreibt ein internationales Forschungsteam mit Schweizer Beteiligung in «Nature Communications», wie die Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL auf ihrer Website berichtet. WaldSchweiz bringt diese Empfehlungen der Branche zur Kenntnis. Über ihre Sinnhaftigkeit müssen die Waldeigentümer vor Ort und von Fall zu Fall entscheiden.

In Leuk (Kanton Wallis) brannten 2003 rund 300 Hektaren Föhrenwald. Foto: Beat Wermelinger, WSL

Stürme, Brände, Borkenkäfer: Weltweit sind viele Wälder zunehmend von solchen und anderen natürlichen Störungen betroffen. Gängige Praxis ist es, die Folgen dieser Störungen zu beseitigen – also beschädigte Bäume schnellstmöglich zu ernten.

«Diese Praxis ist aber eine zusätzliche Störung, die sich negativ auf die biologische Vielfalt auswirkt», zitiert die WSL Simon Thorn, Studienleiter und Waldökologe von der Julius-Maximilians-Universität (JMU) Würzburg, in ihrer Mitteilung. Bei Aufräumaktionen entstünden Bodenverletzungen, Totholz werde zum Grossteil entfernt und Strukturen wie hochgeklappte Wurzelteller gingen verloren. Darum empfiehlt der Waldökologe, einen gewissen Teil solcher Störungsflächen von Aufräumaktionen auszuschliessen.

Wälder, in denen natürliche Störungen ohne menschliche Eingriffe erhalten bleiben, gehören zu den am stärksten bedrohten Lebensräumen der Welt. Hier findet man spezialisierte Pflanzen, Vögel, Insekten und Pilze, die nur auf diesen Flächen vorkommen. Das Forscherteam hat weltweite Daten zu natürlichen Störungen in Wäldern analysiert. Es kommt zum Schluss: Werden rund 75 Prozent eines betroffenen Waldgebietes nicht aufgeräumt, bleiben 90 Prozent des dortigen Artenreichtums erhalten. Lässt man nur die Hälfte eines gestörten Waldes unangetastet, geht rund ein Viertel der Arten verloren. «Diese Zahlen können als einfache Faustregel für das Belassen von Störungswäldern dienen», sagt Thorn.

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