Klimawandel - Unsere Wälder verdursten langsam

Die Böden sind schon jetzt trockener als sonst im Sommer. Das wird dem Wald weiter zusetzen. Schweizer Förster müssen umdenken.

Abgestorbene Weisstannen (Bild WaldSchweiz, Jaquement)

Beitrag von SRF Kultur vom 25.04.2020

Christian Kleiber radelt mit grimmiger Miene durch den Hardwald. Der Revierförster der Bürgergemeinde Basel ist bedrückt. In seinem Wald zeigt sich die für die Jahreszeit aussergewöhnliche Trockenheit besonders deutlich.Kleiber zeigt auf eine grosse, kahle Fläche. «Hier standen früher Rottannen. Die Behörden haben 40 Jahre lang Geld für Pflanzungen und Pflege investiert. Und jetzt ist alles kaputt», sagt er nachdenklich.

Nachwehen des Hitzesommers 2018

Verschwunden seien nicht nur die Tannen, sagt Christian Kleiber. Als Folge des Trockensommers 2018 starben im Hardwald auch viele Buchen und sogar Eichen. Insgesamt jeder fünfte Baum hat nicht überlebt.Nachdem die Buchen ihr Laub verloren hätten, seien sie während des Hitzesommers drei Monate an der prallen Sonne gestanden, erklärt Kleiber. Die Rinde platzte ab – das Todesurteil eines Baumes. «Ich wusste nicht, wie es weitergehen sollte», sagt Kleiber. Er habe nur die kaputten Bäume gesehen.

Der Hardwald ist überall

Trotz der speziellen Bedingungen: Der Hardwald bei Basel kein Einzelfall, sagt Andreas Rigling von der Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL).Waldschäden wie in Basel gebe es an vielen Orten, sagt Rigling: «Nach dem Hitzesommer waren die Ajoie im Kanton Jura, der nördliche Teil des Kantons Schaffhausen, das Zürcher Weinland, die Region um den Walensee und sogar die Region Chur massiv betroffen.»Zum Trockensommer 2018 kommt jetzt noch dieser überdurchschnittlich trockene Frühling dazu. Die drei häufigsten Baumarten des Schweizer Waldes Rottannen, Weisstannen und Buchen – gelten unterdessen alle als hitzegefährdet. Sogar die Weisstanne, die bisher als resistent galt.

Es wird kritisch

In der Schweiz fehlt derzeit die Regenmenge von deutlich mehr als einem Monat. Aber nicht nur die Regenmenge sei ein wichtiger Faktor für die grosse Trockenheit, sagt Sonia Seneviratne, Professorin für Landklima-Dynamik an der ETH Zürich: «Für Vegetation und Landwirtschaft ist besonders wichtig, wie viel Wasser wir im Boden haben.»

Sonia Seneviratne misst seit zehn Jahren an verschiedenen Orten in der Schweiz die Bodenfeuchte. Der aktuelle Befund ist kritisch: «Der Boden ist sogar trockener, als wenn wir ihn mitten im Hochsommer messen.»

Seneviratne befürchtet eine gravierende Entwicklung. Denn Regen fliesst bei trockenen Böden schneller ab. Es dauert also noch länger, bis sie wieder feucht sind. Auch wenn es regnet.

Der Wald verändert sich

Förster Christian Kleiber kann nicht mehr auf den Regen warten. Er hat neue Bäumchen gepflanzt. Nicht mehr Rot-, Weisstannen oder Buchen, sondern schneeballblättrigen Ahorn, Traubeneichen, Elsbeeren und Blumeneschen. Auch sie sind einheimische Bäume, aber solche, die mit der Trockenheit besser klarkommen.

Doch selbst für sie ist es viel trocken zum Anwachsen. Christian Kleiber muss die frisch gepflanzten Bäumchen spritzen. So etwas gab es in der Schweizer Waldbewirtschaftung bisher kaum. Dieser Mehraufwand werde Folgen haben, davon ist Kleiber überzeugt: «In Zukunft wird die Waldbewirtschaftung viel teurer.»

Sterben wird der Schweizer Wald nicht. Aber dessen Bewirtschaftung und die Zusammensetzung der Baumarten wird sich stark verändern.

Wie sich WaldSchweiz für die Klimapolitik engagiert.

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