Was geht ab im Wald?

Waldeigentümer auf allen Ebenen gefordert

Der Wald leidet. Auch heuer herrscht eine immense Borkenkäferplage. Fachleute erwarten, dass wieder mindestens soviel – wenn nicht mehr – Schadholz anfallen wird wie vergangenes Jahr. Dazu trägt die Witterung bei, aber auch die garstigen wirtschaftlichen Bedingungen, in denen sich die Wald- und Holzbranche aktuell befindet.

Auch wenn der Frühsommer eher regnerisch daherkam und manch ein Waldeigentümer hoffte, dieses Jahr mit einem blauen Auge davon zu kommen, zeichnet sich nun ein anderes Bild ab. Die Weichen für ein weiteres Borkenkäferjahr wurden früh gestellt: Der vergangene Winter war mild. Viele Borkenkäfer haben überlebt und dank des heissen, trockenen Vorjahres und der Stürme im Februar 2020 ausreichend geschwächte Bäume für eine erste erfolgreiche Brut vorgefunden. Der April schliesslich war einer der trockensten seit Messbeginn. Just zur Zeit des Blattaustriebs fehlte es arg an Wasser. Auch die Nadelbäume, wenn auch nicht augenfällig, sind dann physiologisch besonders aktiv. Der Wassermangel hat sie weiter geschwächt. Und weil sich die Borkenkäfer übermässig vermehrten, haben diese gebietsweise gar begonnen – gewissermassen aus Platzmangel – gesunde Bäume zu befallen.

Auch «Zukunftsbäume» betroffen
Was den Fachleuten ausserdem zu denken gibt: Es sind zunehmend Baumarten betroffen, die bis anhin als weitgehend resistent und darum als klimafitte Zukunftsbaumarten gegolten haben. Ein bereits bekanntes Beispiel ist die Weisstanne. Aktuell wurde der WSL nun etwa auch der Befall von Atlaszedern durch den Mittleren Tannenborkenkäfer (Pityokteines vorontzovi) und den Furchenflügligen Fichtenborkenkäfer (Pityophthorus pityographus) gemeldet, wie Martin Bader von der Abteilung Waldschutz sagt. Ausserdem sei ihm in den vergangenen Wochen über junge Weisstannen im Bündnerland berichtet worden, die vom Tannenknospenwickler (Epinotia nigricana) befallen worden seien – einem Insekt, das in den letzten Jahrzehnten so selten vorkam, dass es selbst dem Waldschutzbeauftragten der WSL bislang unbekannt war.

Der Wald in der aktuellen Politik

In drei Vorstössen fordert Ständerat und WaldSchweiz-Präsident Daniel Fässler vom Bund direkte und indirekte Unterstützung für die Waldeigentümer. 

25 Millionen für die Waldpflege: In einer am 18.06.2020 eingereichten Motion fordert Daniel Fässler vom Bundesrat gezielte Massnahmen, die die nachhaltige Pflege und Nutzung des Schweizer Waldes sicherstellen. Der Bundesrat soll hierzu Beiträge im Umfang von mindestens 25 Millionen Franken pro Jahr bereitstellen und die allenfalls erforderlichen Gesetzesgrundlagen erarbeiten.

Biomasseanlagen fördern statt gefährden: Gleichzeitig mit Jürg Grossen (GLP, BE) im Nationalrat reichte Daniel Fässler während der Sommersession im Ständerat eine Motion mit dem Titel «Biomasseanlagen in der Schweiz nicht gefährden, sondern erhalten und ausbauen» ein. Damit soll der Bundesrat beauftragt werden, dem Parlament die notwendigen Gesetzesänderungen zu unterbreiten beziehungsweise Massnahmen zu ergreifen, damit Biomasseanlagen (Holz und Biogas) auch in Zukunft wirtschaftlich betrieben werden können.

Holzschnitzel-Beschaffung in der Kritik: In einem dritten Vorstoss kämpft Daniel Fässler für die Interessen der Waldeigentümer. In der am 16.06.2020 eingereichten Interpellation verlangt er vom Bundesrat eine Reihe von Erläuterungen, weshalb der Bund bei der Beschaffung von Holzschnitzeln für Armeeanlagen nicht konsequent auf Schweizer Holz setzt und er ersucht den Bundesrat, die internationale WTO-Ausschreibung kurzerhand abzubrechen.

Zu den Vorstössen von Ständerat Daniel Fässler

Motion Sicherstellung nachhaltige Pflege und Nutzung des Waldes: Antwort des Bunderates vom 19.08.2020
Holzschnitzelbeschaffung für Armee: Stellungnahme des Bundesrates vom 19.08.2020
Motion Biomasseanlagen: Antwort des Bundesrates vom 12.08.2020 

WaldSchweiz empfiehlt: Bestände gut beobachten!

Die aktuelle Borkenkäfersituation verlangt volle Aufmerksamkeit von Waldeigentümern und Forstprofis. Von einer baldigen Entspannung kann nicht ausgegangen werden. Aufgrund der Niederschläge im Frühsommer haben gewisse Bäume noch grüne Kronen, obwohl sie schon befallen sind. Sie sollten keinesfalls übersehen werden. Darum wird dringend empfohlen, die Bestände in kurzen Abständen auf Borkenkäferbefall zu kontrollieren und geeignete Forstschutzmassnahmen zu ergreifen!

Aktueller Waldschutzüberblick der WSL

Ein Jahr nach dem extremen Sommer (2018) hat sich die Situation nicht wirklich beruhigt. Die Käferholzmengen für die Fichte erreichen den zweithöchsten Stand für die Schweiz nach Lothar. Auch Weisstannen sterben häufig ab. Der Gesundheitszustand des Waldes hat sich über die letzten Jahre zugespitzt.

Lesen Sie den ganzen Waldschutzüberblick 2019

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