22. April 2026 – Lesezeit: 5 Minuten
Positionspapier

Wald und Holz in der Klimapolitik

Der Wald und die Verwendung des Rohstoffs Holz haben positive Auswirkungen auf den CO2-Haushalt. Jetzt gilt es, die Klimapolitik so zu gestalten, dass sowohl die Waldwirtschaft wie auch die Holzindustrie optimale CO2-Speicherungen und -Einsparungen bewirken.

von Benno Schmid

Bereichleiter

CO2-EFFEKTE VON WALD UND HOLZ

  1. CO2-Speicherung im Wald = Waldspeicher Bäume entziehen der Atmosphäre bei der Photosynthese CO2 und lagern es in Form von Kohlenstoff im Pflanzenkörper ein. Das gebundene CO2  bleibt solange im System Wald gespeichert, bis das Holz vermodert oder geerntet wird.

  2. CO2-Speicherung in Holz = Holzproduktespeicher Wird Holz genutzt und z.B. in Gebäuden verbaut oder Holzprodukten verarbeitet, bleibt das darin gebundene CO2 auf Jahrzehnte gespeichert. Erst wenn das Material ausgedient hat und verbrannt wird, setzt sich das CO2 wieder frei.

  3. CO2-Einsparung = materielle/energetische Substitution Wenn Holz anstelle nicht nachwachsender Rohstoffe (Plastik, Öl, Gas oder Beton und Stahl) eingesetzt wird, hat das gleich zwei positive Effekte: erstens wird dadurch kein fossiles CO2 freigesetzt, zweitens bedarf dies weniger sogenannter grauer Energie für Herstellung und Transport.

OPTIMIERUNG DER CO2-EFFEKTE

  1. Waldspeicher: Der Schweizer Wald bindet jährlich rund 10 Millionen Tonnen CO2 alleine beim Holzwachstum. Wie viel CO2 im Wald gespeichert wird, hängt von der Holznutzung ab und kann durch die Waldbewirtschaftung beeinflusst werden. Mit geeigneten Waldstrukturen, zum Beispiel optimaler Altersdurchmischung, können hohe Zuwächse und Holzvorräte, also gut gefüllte und ertragreiche CO2-Speicher gefördert werden. Damit diese Wälder nachhaltig stabil bleiben, brauchen sie oft eine angepasste Bewirtschaftung. Der Wald erbringt die erwünschten Speicherleistungen nicht einfach von selbst, deren Optimierung erfordert Fachwissen und gezielte Konzepte der Bewirtschafter respektive Anreize zur Umsetzung.

  2. Holzproduktespeicher: Wie viel CO2 in Holzprodukten gespeichert wird, hängt von der Verarbeitung durch die Holzindustrie respektive von der Nachfrage der Endverbraucher ab. Je mehr Holz dauerhaft eingesetzt wird, desto grösser ist die CO2-Einlagerung. Stammt das verwendete Holz zudem aus dem Inland, kann der positive Klimaeffekt der Schweiz angerechnet und graue Energie durch kurze Transportwege gespart werden. Durch eine gesteigerte Nachfrage nach Produkten aus Schweizer Holz kann aus klimapolitischer Sicht also gleich mehrfach profitiert werden.

  3. Substitutionseffekte: Je mehr der Rohstoff Holz anstelle fossiler Rohstoffe oder energieintensiverer Materialien eingesetzt wird, umso weniger CO2 wird freigesetzt. Denn jeder Kubikmeter Holz, der fossile Energien ersetzt, erspart der Umwelt 600 Kilogramm CO2. Der Effekt ist umso grösser, je stärker Holz nachgefragt wird bzw. je besser geschaffene Rahmenbedingungen die entsprechende Nachfrage begünstigen und fördern. Die beste Kombination aller drei Effekte führt zur maximalen Klimaschutzleistung von Wald und Holz: Optimale Holvorräte und Ernteeingriffe stärken den Waldspeicher und erhöhen die Zuwächse. Dadurch steht ein nachwachsender Rohstoff in grossen Mengen zur Verfügung, der je nach Nachfrage in den Holzproduktespeicher fliesst oder andere Materialien substituiert. Langfristig ebben die Speicher- effekte ab, nicht jedoch die Substitutions-Leistungen. Der Wald bietet der Schweiz damit einen CO2-Puffer, der hilft, Zeit zu gewinnen, andere Lösungen zu finden und ist somit sehr bedeutend für die Umsetzung der Klimapolitik.

DIE POSITIONEN VON WALDSCHWEIZ

  • Die ökonomischen und rechtlichen Rahmenbedingungen sind so zu gestalten, dass die Waldwirtschaft und die  Holzindustrie maximale Beiträge zur Erreichung der Klimaziele leisten können.
  • Mittelfristig – über die nächsten Jahrzehnte – sollen sowohl die biologischen CO2-Speicher im Wald wie auch die materiellen CO2-Speicher des verarbeiteten Holzes weiter gefüllt werden. Wald und Holz sollen helfen, die inter- national vereinbarten Klimaziele zeitgerecht zu erreichen respektive Zeit zum Erreichen einer kohlenstoffneutralen Gesellschaft zu gewinnen.
  • WaldSchweiz fordert eine klare Trennung zwischen den CO2-Effekten des Waldes von denen der Holzverwendung! Denn es handelt sich um zwei separate Systeme mit unterschiedlichen Effekten und Steuerungsfaktoren.
  • WaldSchweiz fordert klare gesetzliche Grundlagen, damit die Waldwirtschaft ihr Engagement für optimale waldbezogene CO2-Leistungen gerecht in Wert setzen können.
  • WaldSchweiz fordert die Politik auf, Rahmenbedingungen zu schaffen, die eine verstärkte Nachfrage nach Schweizer Holz bewirken – Voraussetzung, dass die Klimaeffekte von Wald und Holz bestmöglich greifen.

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