Erste Einschätzung zu Hitze- und Trockenheitsschäden an Buchen
Die Hitze und die lang anhaltende Trockenheit dieses Sommers haben die heimischen
Buchenbestände zum Teil stark beschädigt. Ob sich die Bäume davon erholen können, wird man erst im nächsten Jahr abschätzen können, wenn die Bäume das nächste Mal austreiben.
Simon Tresch, Sven-Eric Hopf, Merten Ehmig, Sabine Braun* |Die Dürre dieses Sommers hat die Wälder und insbesondere die Buchen in der Schweiz stark belastet. Auffällig sind die bereits Anfang Juli aufgetretenen Hitze- und Trockenschäden an Blättern, die sowohl ausgewachsene Bäume als auch den Jungwuchs betreffen. Dabei handelt es sich nicht um eine normale vorzeitige Herbstverfärbung der Blätter. Die Kombination aus anhaltender Trockenheit und extremen Temperaturen führte vielerorts zu einer ungewöhnlich starken Kronenverlichtung. Die regionalen Unterschiede können sehr gross sein, je nachdem wie viel Wasser der Boden speichern kann und wo Niederschläge fielen. Basierend auf den Erkenntnissen der interkantonalen Walddauerbeobachtung kann abgeschätzt werden, welche Buchen sich in den kommenden Jahren erholen könnten. Bei einer starken Kronenverlichtung (>70 %) liegt die Wahrscheinlichkeit, dass der Baum in den nächsten fünf Jahren absterben wird, bei etwa einem Drittel. Für die Praxis ist zu beachten, dass die Gefahren durch abgestorbene Kronenteile stark ansteigen und eine Holzentwertung in den kommenden Jahren wahrscheinlich ist. Ob die in diesem Jahr stark geschädigten Buchen wieder austreiben, wird sich jedoch erst nach dem nächsten Blattaustrieb 2027 beurteilen lassen. Dann wird sich zeigen, welche Bäume die Schäden an den Leitgefässen reparieren konnten.
* Simon Tresch, Sven-Eric Hopf und Sabine Braun leiten das Institut für Angewandte Pflanzenbiologie AG (IAP), Merten Ehmig arbeitet ebendort als wissenschaftlicher Mitarbeiter.
Bereits Anfang Juli grosse Schäden
Der Sommer 2026 war von mehreren aussergewöhnlich langen und ausgeprägten Trocken- und Hitzeperioden gekennzeichnet. Die hohen Temperaturen während der dritten Hitzewelle Ende Juni und in der vierten Hitzewelle von Juli bis Anfang August führten zu bisher in diesem Ausmass noch nie beobachteten Schäden, vor allem bei Buchen. In der Nordwestschweiz und entlang des Jurasüdfusses sowie in tiefen Lagen des Mittellandes vertrockneten Buchenblätter in der Krone bereits Anfang Juli und wurden vorzeitig abgeworfen. Dabei waren nicht nur exponierte oder alte Buchen betroffen, sondern auch gut geschützte jüngere Bäume und Jungwuchs.
Vergleich zu früheren Trockenjahren
Um die Schäden mit früheren Trockenjahren zu vergleichen, wurden die Daten von rund 6000 Buchen aus 97 Flächen der interkantonalen Walddauerbeobachtung genutzt, welche im Auftrag von 13 Kantonen seit 1984 untersucht werden. Die Flächen sind über die gesamte Schweiz verteilt und decken wichtige Gradienten der Trockenheit, Bodenvielfalt und Stickstoffdeposition ab.
Nach 2003 waren die Trockenschäden noch vergleichsweise gering. Die Ereignisse ab 2018 markieren jedoch einen Wendepunkt: Die extreme Trockenheit und die folgenden Dürrejahre haben deutlich grössere und länger anhaltende Schäden im Wald hinterlassen. Wenn die Wasserleitbahnen beschädigt und im darauffolgenden Winter nicht wieder befüllt werden, können sich die Schäden mehrerer aufeinanderfolgender Trockenjahre kumulieren. So erklärt sich die starke Akkumulation der Waldschäden seit 2018, und die neuen Schäden von 2026 setzen diese Entwicklung fort. Vor 2018 traten Trockenschäden meist indirekt zusammen mit anderen Stressfaktoren auf. Dies hat sich nun geändert: Hitze und Trockenheit sind heute ein primärer Schadfaktor der heimischen Wälder.
Keine vorzeitige Herbstverfärbung
Im Jahr 2026 war es nicht nur während mehrerer Monate ab Beginn der Vegetationsperiode sehr trocken, sondern während vieler Tage auch heisser als 2018. In der Luft gab es ein hohes Dampfdrucksättigungsdefizit, was eine hohe atmosphärische Verdunstungsnachfrage und damit einen erhöhten Wasserverlust bedeutete. So wurden an der Meteostation Basel-Binningen Anfang Juli 39,7 °C und ein Dampfdrucksättigungsdefizit von 5,8 kPa gemessen. 2018 lag der maximale Wert bei 3,4 kPa.
Bei der Buche bedeuten Werte von über 4 kPa ein extrem hohes Risiko für Schäden in den Wasserleitgefässen, wodurch die Wasserversorgung eingeschränkt wird. Die Temperaturschwelle für Blattschäden bei der Buche liegt bei 41 °C. Im Sommer 2026 wurden diese Temperaturen in einigen Wäldern überschritten, da die Blatttemperaturen etwa 5 °C über der Lufttemperatur liegen. Dies führte zu Hitzeschäden an den Blättern, wobei sich das Blatt von innen heraus verfärbt und abstirbt. Einige Tage später vertrockneten diese Blätter oder wurden frühzeitig abgestossen. In vielen Buchenwäldern lag somit viel verfärbtes und trockenes, aber auch grünes Laub am Boden. Durch die Dürre vertrocknete das Laub teilweise auch direkt am Baum. Was von Weitem aussieht wie eine verfrühte Herbstverfärbung, sind also akute Hitze- und Trockenschäden und hat nichts mit einem normalen herbstlichen Rückzug der Nährstoffe zu tun.
Schäden auch am Jungwuchs
Die Schäden wurden sowohl an ausgewachsenen als auch an jungen Buchen beobachtet. Besonders deutlich zeigt sich das auf der seit 1984 untersuchten Walddauerbeobachtungs-Fläche Muttenz Hardwald (BL), welche grundsätzlich sehr trocken ist und wo zudem der Boden schlecht Wasser speichern kann. Dort waren die Buchen bereits 2018 stark von der Trockenheit betroffen. Mitte Juli 2026 wiesen praktisch alle Bäume eine sehr starke Kronenverlichtung auf. Dennoch sind die Schäden im Wald lokal oft sehr unterschiedlich, je nachdem, wie gut der Boden Wasser speichern kann und wie oft es regional zu Niederschlägen während der Trockenperioden kam.
Nach 2018 wurden die Schäden erst in den Folgejahren komplett sichtbar. Untersuchungen an Leitgefässen von Gipfeltrieben zeigen, dass viele Bäume die Schäden durch Lufteinschlüsse nicht mehr reparieren konnten. Aus diesem Grund kann erst nächstes Jahr beurteilt werden, ob und wie gut sich stark geschädigte Buchen erholen.
Folgeschäden drohen
Neben den primären Schäden durch die Sommerdürre 2026 ist zu beachten, dass die Trockenheit das Risiko für Sturmschäden (Windwurf und Stammbruch) erhöht. Zudem können sich geschwächte Bäume schlechter gegen Schadorganismen wie den Buchenborkenkäfer, die Buchenrindennekrose, den Hallimasch-Pilz oder Schleimflussbakterien wehren.
Hinweise für die Praxis
Die Langzeitdaten der Walddauerbeobachtung zeigen, dass sich bei einer starken Kronenverlichtung von >70 % und vielen Totästen nur 8 % der Bäume innerhalb der folgenden fünf Jahre erholen werden. Von grosser Relevanz für die Praxis wäre daher, zu wissen, welche von den stark geschädigten Buchen im nächsten Jahr wieder austreiben. Erst eine Vitalitätsbeurteilung pro Baum nach dem Blattaustrieb im Folgejahr wird zeigen, welche Bäume die Leitgefässe wieder füllen konnten. Dies wird eine wichtige Entscheidungsgrundlage für die Praxis sein bezüglich der Holzentwertung und möglicher Gefahren durch abgestorbene Kronenteile.
Die starken regionalen Unterschiede nach der Trockenheit deuten darauf hin, dass bei Buchenbeständen auf Böden mit geringer Wasserspeicherkapazität, welche auf Sommerniederschläge angewiesen sind, zukünftig weitere grosse Schäden zu erwarten sind. Die Naturverjüngung mit alternativen Baumarten sollte daher gefördert werden. Ein Einzelbaumschutz von bereits naturverjüngten Bäumen (zum Beispiel Eichen) würde ihnen verbesserte Startbedingungen verschaffen, da solche Bäume eine bessere Wurzelentwicklung als gepflanzte Bäume haben. Eine Förderung der Ansamung durch vogelfreundliche Strukturen (zum Beispiel liegende Stämme) hat sich ebenfalls bewährt. Für den bereits etablierten Buchenjungwuchs besteht die Hoffnung, dass eine verstärkte Wurzelbildung seine Anpassungsfähigkeit an die zukünftige Trockenheit verbessert.
Besteht eine Sicherheitsgefährdung durch herabfallende Kronenteile für Dritte auf offiziellen Wegen oder in anderen öffentlichen Einrichtungen respektive für das Forstpersonal bei Waldarbeiten, sollte schneller gehandelt werden. Hinzu kommt ein stark erhöhtes Risiko für Windwurf und Stammbruch, verbunden mit einer schnellen Verschlechterung der Holzqualität.
Interkantonale Walddauerbeobachtung: Im Auftrag der Kantone AG, BL, BS, GR, SO, TG, TI, ZH, der Zentralschweizer Forstämter (LU, NW, OW, SZ, UR) sowie der Abteilung Wald des Bundesamtes für Umwelt (BAFU).


