Wald und Klimawandel

Das Klima verändert sich ständig. Der Wald kann sich an solche klimatischen Schwankungen zwar anpassen, doch momentan verlaufen diese Prozesse zu schnell. Durch eine angepasste Bewirtschaftung und einen dadurch stabilen und vitalen Wald lassen sich viele Effekte abschwächen.

Die Klimaveränderungen stellen den Wald und dessen Eigentümer vor grosse Herausforderungen. Mit dem erwarteten Anstieg der Temperaturen und der Zunahme von Trockenperioden werden sich die Standortbedingungen und dadurch die Waldgesellschaften verändern. Die wärmeren Temperaturen lassen die Waldgrenze ansteigen und fördern eine Verschiebung der Baumartenvorkommen. Zudem nehmen Extremereignisse wie Trockenheit oder Sturm zu und Schädlinge sowie fremdländische Pflanzen und Tiere finden neuen angepassten Lebensraum

Die Folgen der Klimaveränderung für den Schweizer Wald sind vielfältig. Hier eine Auswahl:

  • unangepasste Baumbestände wegen sich verändernden Standortverhältnissen
  • geschwächte Bäume
  • höhere Anfälligkeit auf Schadereignisse wie Sturm oder Käferbefall
  • steigende Waldbrandgefahr
  • erhöhtes Produktionsrisiko für Waldeigentümer
  • mangelnde Schutzleistung der Bergwälder - Ersatzmassnahmen in Milliardenhöhe

Die Geschwindigkeit des Klimawandels droht die natürlichen Anpassungsprozesse im Wald zu überfordern. Der Wald soll deshalb so gestaltet werden, dass die Baumartenzusammensetzung eine möglichst grosse Anpassungsfähigkeit aufweist. Erreicht wird dies durch eine regelmässige Bewirtschaftung der Wälder. Jungwuchspflege, Durchforstung und Endnutzungsschläge ermöglichen einen strukturreichen, vielfältigen und stabilen Bestand; Baumartenzusammensetzung und der Altersklassenaufbau können beeinflusst werden. Eine wichtige Rolle spielt dabei die Begründung der zukünftigen Generation, sprich die Waldverjüngung.

Grundsätzlich hat sich die Schweizer Waldwirtschaft schon immer an veränderte gesellschaftliche, wirtschaftliche und ökologische Rahmenbedingungen angepasst. Dies ist auch mit dem Klimawandel nicht anders. Allenfalls müssen zusätzliche Überlegungen in die Planungsprozesse einfliessen. Immer mit dem Ziel, das Risiko zu reduzieren und die Waldleistungen längerfristig sicherzustellen.

Allgemein werden in einem klimaangepassten Waldbau folgende 5 Prinzipen verfolgt:

Erhöhung der Baumartenvielfalt
Mischbestände sind störungs- und stressresistenter als Reinbestände und können sich nach Störungen rascher erholen. Oft weisen verschiedene Baumarten unterschiedliche abiotische Toleranzen auf, weshalb Mischbestände gegen unsichere zukünftige Bedingungen besser abgesichert sind als Reinbestände. Zudem ist in Mischbeständen der waldbauliche Spielraum bei der natürlichen Verjüngung grösser als in Reinbeständen. Im Schweizer Wald sind im Mittel 2.9 Baumarten in der Oberschicht vorhanden. Mit einer gezielten Förderung können weitere Baumarten eingebracht werden.

Erhöhung der Strukturvielfalt
Von Störungen sind oft nur Bäume einer bestimmten Grössenklasse betroffen. Zum Beispiel nimmt die Sturmanfälligkeit mit der Baumhöhe zu oder Schadinsekten befallen meist vor allem Bäume einer bestimmten Grössenklasse. Nach der Störung bleiben somit Bäume stehen, welche weiterhin in einem gewissen Mass die Waldleistungen erbringen können. Dazu kommt, dass sich in strukturierten Wäldern oft bereits Verjüngung unter dem Schirm der alten Bäume einstellt. Falls also eine Störung eintritt, ist bereits die nächste Generation an Bäumen vorhanden.

Erhöhung der genetischen Vielfalt
Die Erhöhung der genetischen Vielfalt der Bäume trägt zur Anpassungsfähigkeit der Wälder bei. Wenn möglich sollte mit Naturverjüngung gearbeitet werden, um die lokal angepasste Baumpopulation zu erhalten. Mit gezielten Pflanzungen besteht Potential, die genetische Vielfalt zu erhöhen. Dabei ist es wichtig, die Herkünfte der Pflanzen gut zu dokumentieren.

Erhöhung der Störungsresistenz der Einzelbäume
Die Erhöhung der Störungsresistenz der Einzelbäume vergrössert deren Überlebenswahrscheinlichkeit bei Störungsereignissen. Sie ist ein Kernelement für die Resistenz der Bestände gegenüber Störungen und dient daher der Sicherung von Waldleistungen. Jedoch ist bei fortschreitendem Klimawandel die Möglichkeit der erhöhten Störungsresistenz beschränkt. Das heisst, es kann
damit Zeit gewonnen werden. Das grundlegende Problem löst man aber nicht.

Reduktion der Umtriebszeit bzw. des Zieldruchmessers
Eine Reduktion der Umtriebszeiten bzw. des Zieldurchmessers kann ein Mittel sein, um im Klimawandel die wirtschaftlichen Risiken für den Wald zu reduzieren. Eine kürzere Umtriebszeit ist besonders in gleichförmigen Wäldern eine Möglichkeit, den Anteil besonders störungsgefährdeter älterer Bäume und Bestände zu verkleinern. So sind auch die Störungsrisiken geringer. Das ist insbesondere für die Holzproduktion wichtig, hat aber auch in Schutzwäldern eine gewisse Bedeutung.

Ausschnitt aus Waldbauliche Strategien im Klimawandel (2017)
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Die Frage nach der richtigen Baumart ist die zentrale Frage des klimaangepassten Waldbaus. Sie lässt sich nicht abschliessend beantworten. Im folgenden werden einige Hilfsmittel und Forschungsarbeiten vorgestellt. Diese sind nicht absolut zu verstehen, können aber bei waldbaulichen Entscheidungen, beispielsweise in der Jungwaldpflege, wertvolle Anhaltspunkte liefern.

© Tree App
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Tree App

Die Tree App stellt im Forschungsprogramm Wald und Klimawandel entwickelte Grundlagen zur Wahl zukunftsfähiger Baumarten den Waldfachleuten zur Verfügung. Sie integriert die Informationen über den Boden und die Klimaeignung der Baumarten im heutigen und im zukünftigen Klima. Die Tree App liefert eine Baumartenempfehlung für jeden Punkt im Schweizer Wald.
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© WSL
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Testpflanzungen zukunftsfähiger Baumarten

Kantonale Forstdienste, Forstbetriebe, Baumschulen und Forschende der WSL schaffen in den Jahren 2020 bis 2022 ein Netzwerk von 59 Testpflanzungen zukunftsfähiger Baumarten in der ganzen Schweiz. Insgesamt über 55'000 Bäumchen sollen über mehrere Jahrzehnte beobachtet werden und Informationen zur Eignung der Baumarten im Klimawandel liefern. So entsteht eine einzigartige Infrastruktur für Forschung und Praxis.
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Zukünftige Verbreitung der Baumarten im Klimawandel

Ein Projekt der WSL modellierte unter verschiedenen Klimaszenarien die Verbreitung der Hauptbaumarten der Schweiz. Das Resultat sind Karten mit dem möglichen Verbreitungsgebiet unter dem Klima von heute, 2050 und 2080.  Die Modellierungen liefern Anhaltspunkte, welche Baumarten gefördert werden können.
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Traubeneiche (Quercus petraea)

Rotbuche (Fagus sylvatica)

Weisstanne (Abies alba)

Fichte (Picea abies)