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Wo die gewaltigen Starkwinde durchgezogen sind, bietet sich ein Bild der Verwüstung: Die Bäume sind oft zersplittert und auf halber Höhe abgebrochen. Foto: Pascal Schneider/NE

ZeitschriftenLesezeit 4 min.

Sturmschäden im Kanton Neuenburg – Erste Bilanz der Naturkatastrophe

Über 1000 Hektaren verwüsteter Wald, 5000 beschädigte Gebäude und eine grob geschätzte Schadenssumme von 70 bis 90 Millionen Franken: Der Jahrhundertsturm in La Chaux-de-Fonds sprengt alles Bisherige.

Das starke Unwetter, das Ende Juli mit Windspitzen von über 200 km/h über den oberen Teil des Kantons Neuenburg fegte, hat in der Region La Chaux-de-Fonds/Le Locle gemäss ersten Schätzungen zwischen 1000 und 1600 Hektaren Wald beschädigt, was einer Fläche von rund 2200 Fussballfeldern entspricht. Die Menge des aus Wäldern und Parks zu bergenden Holzes kommt der Jahresproduktion des gesamten Kantons Neuenburg gleich. In einigen Parks sind bis zu 95% der Bäume zerstört worden. Die Schadenssumme des Unwetters beläuft sich auf  70 bis 90 Millionen Franken.

Die Wälder in der Region «Montagnes neuchâteloises» sind am stärksten vom «Tornado» betroffen. In dieser Region befand sich gewissermassen das Epizentrum der Naturkatastrophe. Pascal Schneider, der für den in La Chaux-de-Fonds gelegenen Bezirk zuständige Forstingenieur, erklärt auf Anfrage Mitte August, man sei noch dabei, sich anhand von Luftbildern und Lidar-Messungen ein Bild von der Lage zu machen. «Wir schätzen, dass etwa 1000 Hektaren Wald, davon 150 Hektaren Wytweiden, geschädigt wurden», sagt Schneider. 

Rund 60 000 Kubikmeter Schadholz

Es ist noch nicht klar, wie viele Bäume abgebrochen oder umgestürzt sind. «Im Wald und auf Waldweiden schätzen wir, dass es sich um etwa 60 000 Kubikmeter handelt», sagt Schneider. Hinzu kommt noch ein Teil des Holzes, das auf Flächen umgeworfen wurde, die sich nicht im Wald befinden, zum Beispiel in Bachrand- und Feldgehölzen oder an Waldrändern und in Hecken. Eine weitere Bilanz wird derzeit für die Schäden innerhalb von Siedlungen und in Parks erstellt. Obwohl die Region auf etwa 1000 Meter Höhe über Meer hauptsächlich ein Nadelwaldgebiet ist, warf der Tornado auch Laubbäume um. «Es ist anders als beim Sturm Lothar. Alte Ahornbäume und Buchen wurden genauso getroffen wie Tannen oder Fichten», sagt Schneider.

Für die Waldbesitzer dürften die Schäden nicht nur aus ökologischer, sondern auch aus finanzieller Sicht erheblich sein. Denn 80% der vom Tornado betroffenen Bäume sind nicht einfach umgefallen, sondern wurden regelrecht zerstört. Aufgrund des Wertverlusts werden sie wahrscheinlich nur noch als Energieholz genutzt werden können. Die Waldbesitzer sind zudem aufgefordert,  jeden Eingriff in den Wald vorab von den Behörden absegnen zu lassen. Die meisten schweren Unfälle nach dem Orkan Lothar im Dezember 1999 betrafen Personen, die im Wald arbeiteten, ohne über die dafür nötige Ausbildung zu verfügen.

In der gesamten Schadenszone besteht nach dem Jahrhundert-Sturm weiterhin ein hohes Unfallrisiko. Die kurzfristige Priorität der Behörden und der zivilen sowie militärischen Einsatzkräfte besteht darin, die Rückkehr ins wirtschaftliche und soziale Leben zu beschleunigen. Spaziergänge im Wald sind für die gesamte Bevölkerung bis auf weiteres strengstens verboten, weil Äste, die sich in den Baumkronen verfangen haben, eine tödliche Gefahr darstellen. Das Wurzelwerk einzelner Bäume, die von blossem Auge keine Schäden zeigen, kann von den heftigen Winden trotzdem beeinträchtigt worden sein und zum Risiko für den Menschen werden. Viele betroffene Waldstücke konnten bisher noch nicht gesichert werden. 
(Sabine Vontobel, Mischa Hauswirth.)

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